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... und über uns der Himmel ...

2026 08 15 Gerhard 01Er sieht ihm nicht nur ähnlich, er liebt auch den wirklich bissigen Humor seines Lieblingskomponisten Georg Kreisler und hat sich u.a. bei „Kleinkunst in der Mudauer Sängerlaube“ bereits einen hervorragenden Namen „ersungen und erspielt“. Das zeigte auch wieder die trotz drückender Schwüle ausverkaufte Laube an seinem Abend unter dem Titel „Und über uns der Himmel“ nach Theo Makebe. An diesem Abend brachte Gerhard Bönig neben Kreisler weitere Künstler zu Gehör, die mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gingen und gehen, und die Missstände von Politik und des menschlichen Wesens überhaupt mit bissigem Humor aufdecken. Dazu gehören Kompositionen wie Udo Lindenberg, Friedrich Holländer oder Konstantin Wecker ebenso wie Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe, Michael Heltau oder Christian Morgenstern.

Bönig eröffnete sein Programm mit einem Stück aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“, denn „das war der Anfang meines Wirkens am allerersten PC Ende der 80er, mit dem Erstellen eines Playbacks zu meiner Abschlussprüfung zum staatlich geprüften Opernsänger“. „There’s a boat dat’s leaving soon for New York“. Das Kontrastprogramm wurde fortgesetzt mit dem humorvollen “Ach sie sind mir so bekannt!“ von André Heller. Kreislers Double setzte mit „Der Fata von Morgana“ noch eins drauf, gefolgt vom „Huhn“-Gedicht in zwei sehr konträren Versionen oder dem von Ernst Jandl, der – vermutlich als zahnloser Alter – über „16 Jahr“ philosophierte. Mit Kreislers „Bessarabien“ startete dann die Kunst, Wörter in verschiedenen Verbindungen oder mittels Buchstabensalat geschickt zu verändern und neu zu kreieren. Und Gerhard Bönig bewies mit Morgensterns „Fisches Gesang“, dass er durchaus auch mit stummer Pantomime sein Publikum lachend von den Stühlen und Bänken holen kann.

Anschließend intonierte er gekonnt Kreislers musikalische Erläuterung zum „Bluntschli“ und anderem Unsinn oder dessen Befürchtung, wenn die Machthabenden ausrasten und es Krieg gibt, „was macht dann mein Hund?“ Denn „so ein Krieg ist auf kein‘ Fall g‘sund, mir kann’s ja wurscht sein, aber was macht dann mein Hund?“ Passend dazu rezitierte er auch Jandls Gedicht „Ottos Mops“ und begeisterte mit einigen Beispielen aus der phonetischen Poesie wie „falamaleikum“ (Ernst Jandl). Mit Herman van Veens „die Bombe fällt nie“ kamen die Pessimisten ins Visier, die möglicherweise nicht damit umgehen können, dass es eine Zukunft gibt und nach Michael Heltau erzählte er „Statt zu singen“ Ludwig Uhlands Gedicht „Ich hatte einen Kameraden“. Und das kam ebenso makaber rüber wie der „Kanonensong“ nach Bert Brecht und Kurt Weill. Hermann van Veen beschrieb die Welt nach dem 2. Weltkrieg „Wenn’s anders ausgegangen wär‘“ – ein trauriges Bild, und es war Gerhard Bönig ein Anliegen, dieses Bild zu verdeutlichen, denn „das Lied wollte ich schon immer mal singen“, und endlich passte es ins Programm ohne die Stimmung zu kippen.

Denn das Publikum in der Sängerlaube verstand sehr gut den Sinn dieser meist humorvoll dargebrachten, aber äußerst tiefsinnigen Lieder. Dazu zählte auch Friedrich Holländers „Wenn ich mir was wünschen dürfte, möcht‘ ich etwas glücklich sein“ oder Konstantin Weckers „Genug ist genug, ich lass mich nicht belügen!“ oder auch Udo Lindenbergs leicht anmutendes „So oder so ist das Leben“. Das miese Spiel mit den Gefühlen Schwächerer wurde auch deutlich in Michael Heltaus Neuversion von Goethes „Röslein rot“ oder auch bei Theo Makebes „Über uns der Himmel“ in dem er meint „Der Wind weht von allen Seiten und läßt uns nicht untergehen. „Ein ganz besonderes Testament“ hatte Franz Josef Degenhardt verfasst und läutete die Schlussrunde des Abends ein - eigentlich lauter Zugaben, denn man wollte den „Mudemer Kreisler“ nicht von der Bühne lassen.

Unter der Überschrift „die menschliche Komödie“ kamen ausschließlich Kompositionen von Georg Kreisler zu Gehör. Selbstverständlich sein bekanntestes „Geh mer Tauben vergiften im Park“, ebenso wie die Zweitdichtung „Unfall im Kernkraftreaktor“ – der durch einen unbeabsichtigt lauten Nieser des Künstlers noch bildhafter wurde - oder „Weihnachten ist eine schöne Zeit“ mit immer falschen Geschenken für alle, Hauptsache das Geld ist ausgegeben. „Der Furz“ beleuchtete die Politik, „Sie ist a herrliches Weib – auch wenn sie wirklich nichts kann – die perfekten weiblichen Attribute und dann abschließend in größter Vorfreude „Mein Weib will mich verlassen!“ Ein mehr als gelungener Abend, für den sich Wolfgang Raudauscher als Vorsitzender des Gesangvereins „Frohsinn 1842 Mudau“ bei dem unvergleichlichen Künstler - gleichzeitig seinem Chorleiter - ebenso bedankte wie bei seinem Team „hinter den Kulissen“ und vor allem beim besten Publikum dieses Abends.


Bericht: Liane Merkle
Bilder: Liane Merkle & GV Mudau

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